Wenn du schon einmal einen Schrank geöffnet und einen prall gefüllten Ordner mit Wachsmal-Kritzeleien, Kunstprojekten aus der Schule und „bitte nicht wegwerfen“-Meisterwerken gefunden hast, bist du damit in bester Gesellschaft. Die meisten Familien sammeln still und heimlich einen kleinen Papierberg an – und dann hältst du irgendwann inne und denkst ganz ehrlich: Was tun mit alten Kinderzeichnungen?
Die gute Nachricht: Du musst nicht jedes einzelne Blatt behalten, um die Kreativität deines Kindes zu würdigen. Du baust kein Museum. Du versuchst, die Geschichten festzuhalten, zuhause wieder Luft zu schaffen und das zu bewahren, was wirklich zählt – ohne in eine Schuldgefühl-Spirale zu rutschen.
Unten findest du praktische, stressarme Optionen zum Sortieren, Fotografieren, Erstellen eines Albums, Teilen mit der Familie und sogar dazu, eine besondere Zeichnung in etwas zu verwandeln, das bleibt. Du kannst das in kleinen Zeitfenstern angehen – zehn Minuten nach dem Abendessen zählen – oder es als sanftes Wochenendprojekt machen.
Zuerst: eine einfache Antwort auf „Was tun mit alten Kinderzeichnungen?“
Wähle einen Ansatz (oder kombiniere mehrere):
- Eine kleine „Best-of“-Auswahl aufbewahren – in einer Box oder einem Ordner.
- Den Rest digitalisieren (Fotos oder Scans), damit du die Erinnerung ohne Papier behältst.
- Ein Fotobuch oder Album erstellen, das man leicht durchblättern kann.
- Ein paar Werke verschenken an Großeltern, Tanten, Onkel oder enge Familienfreund:innen.
- Eine bedeutungsvolle Zeichnung in etwas Dauerhaftes verwandeln (gerahmter Druck, Anhänger/Ornament, Quilt-Quadrat, Schmuck oder Erinnerungsstück).
Ehrlich: Für die meisten von uns funktioniert eine Mischung am besten – ein paar Originale behalten, das meiste digitalisieren, einige Stücke verschenken und ein „Signature Piece“ auswählen, das du auf besondere Weise bewahrst.
Warum es sich so schwer anfühlt, loszulassen (und warum du nicht „zu sentimental“ bist)
Was wirklich dahintersteckt: Du hängst nicht am Papier. Du hängst an einem Moment.
Dieses wackelige Strichmännchen katapultiert dich direkt zurück an den Küchentisch an einem verregneten Nachmittag. Dieser blau-orange Wirbel erinnert dich vielleicht an die Woche, in der dein Kind endlich den Umgang mit der Schere raus hatte und so stolz war. Wenn du die Zeichnung in der Hand hältst, hörst du fast die Erzählstimme dazu: „Das bist du, und das ist unsere Katze, und das ist der Mond – und der Mond lächelt.“
Alte Kunstwerke zu sortieren kann überraschend emotional sein – besonders, wenn du ohnehin schon Schule, Arbeit, Essen und alles andere jonglierst. Ich versuche, es wie ein kleines Familienritual zu sehen, nicht wie eine Prüfung mit Bestehen/Nichtbestehen.
Bevor du startest: mach es dir leicht, zu gewinnen
Wähle einen Behälter und ein Zeitlimit
Nimm eine Box, eine Schublade oder ein Regal. Das ist deine Grenze. Stell dann einen Timer – 20 Minuten reichen völlig. Du versuchst nicht, „die ganze Kindheit“ an einem Nachmittag abzuschließen.
Leg dir einfache Dinge bereit
- Großer Umschlag oder Ordner für „Behalten“
- Müll-/Recyclingbeutel für „Loslassen“
- Handykamera (oder Scanner, falls vorhanden)
- Klebezettel (optional)
- Eine Tasse Tee, Kaffee oder etwas Gemütliches, damit es sich nicht wie Arbeit anfühlt
Wähle eine Sortiermethode, die zu dir passt
Ich habe (auf die harte Tour) gelernt, dass es viel leichter läuft, wenn man eine Methode wählt, die das eigene Gehirn wirklich mag:
- Schnell-Sortierer:in: schnelle Runden (ja/nein/vielleicht).
- Gefühls-Sortierer:in: nach „Story-Wert“ sortieren (woran hängt eine Erinnerung?).
- Minimalist:in: feste Anzahl pro Jahr behalten (z. B. 10).
- Archiv-Mensch: nach Alter/Datum beschriften und eine kleine kuratierte Auswahl behalten.
Ein System ohne Schuldgefühle: So entscheidest du, was bleibt
Mach einen Stapel und sortiere in vier Haufen:
- 1) Original behalten (Stücke, die du physisch aufheben möchtest)
- 2) Digitalisieren, dann recyceln (hier kann das meiste landen)
- 3) Verschenken (Familie wird das wirklich wie einen Schatz behandeln)
- 4) Loslassen (Doppeltes, Übungsseiten, sehr Verblasstes)
Woran du erkennst, was in „Original behalten“ gehört
Diese „Behalten“-Signale sind erstaunlich zuverlässig:
- Es erzählt eine klare Geschichte (auch wenn sie ganz simpel ist).
- Dein Kind hat etwas geschrieben – Name, Datum, ein kleiner Satz, niedliche Rechtschreibung.
- Es markiert einen Meilenstein: erste Fingerfarben, erster Schreibversuch, erster Comic-Strip.
- Es zeigt Persönlichkeit: die riesigen Sonnen, die winzigen Häuser, die dramatischen Augenbrauen.
- Du hast einen „Stopp“-Moment – du hältst inne und lächelst, ohne es zu planen.
Was meistens gehen kann (ohne dass die Erinnerung verloren geht)
- 10 fast identische Zeichnungen aus derselben Woche
- Arbeitsblätter, bei denen die Zeichnung nur eine Eck-Kritzelei ist
- Bilder, die zusammengeklebt sind oder schimmeln (wenn du willst, mach vorher ein Foto)
- Lose Schnipsel ohne „Story“
Wenn du festhängst, frag dich: „Wenn ich das in fünf Jahren wiederfinden würde – würde ich es dann noch behalten wollen?“
Mach daraus einen Verbindungsmoment: Fragen an dein Kind
Du brauchst kein großes, ernstes Gespräch. Ein bisschen Neugier kann „Papier“ in „Erinnerung“ verwandeln.
- „Erzähl mir, was hier passiert.“
- „Wer sind die Menschen/Tiere auf dem Bild?“
- „Welchen Teil hast du am liebsten gezeichnet?“
- „Wenn das Bild einen Titel hätte – wie würde er heißen?“
- „Was sollen wir an diesem Bild unbedingt erinnern?“
- „Willst du das behalten, verschenken oder ein Foto machen und Platz für neue Kunst schaffen?“
Kinder schauen auf eine Kritzelei und sehen eine ganze Szene. Lass sie die Erzähler:innen sein. Diese kleine Erklärung ist oft das, was du später am meisten im Kopf behältst.
Option 1: Ein kleines physisches Archiv behalten (ohne dass das Zuhause voll läuft)
Manche Originale sind es wert: Glitzer, dicke Farbschichten, Struktur, Handabdrücke. Der Schlüssel ist, sie so aufzubewahren, dass es nicht zu einem endlosen Haufen wird.
Die Regel „eine Box pro Kind“
Nimm pro Kind eine stabile Box mit Deckel. Wenn sie voll ist, kuratierst du erneut. Diese Grenze hält die Sammlung bedeutsam statt überwältigend.
Ein Ordner für flache Kunst
Ein einfacher Ringordner mit Klarsichthüllen ist super für:
- Zeichnungen auf Druckerpapier
- Schulkunst, die größtenteils flach ist
- Stücke, die du wie ein Bilderbuch durchblättern möchtest
Tipps, um Originale zu schützen
- Datum (oder Alter) hinten mit Bleistift notieren
- Vor Feuchtigkeit und direkter Sonne schützen
- Bei Kreide/Pastell: Wachspapier zwischen die Blätter legen
Aus dem echten Leben: Viele Familien nutzen den Kühlschrank als erste „Galerie“, dann rutschen die besten Stücke in eine Küchenschublade. Diese Schublade wird zur Gefahrenzone – vollgestopft, zerknittert und stressig. Daraus ein Ordnersystem zu machen, kann einen ruhigen Abend dauern und spart unglaublich viel mentalen Ballast.
Option 2: Fotografieren oder scannen (der leichteste Weg, die Erinnerung zu behalten)
Für die meisten Familien ist Digitalisieren der Sweet Spot: Du behältst Bild und Geschichte – und bekommst deine Arbeitsfläche zurück. Bei uns zuhause ist es außerdem der schnellste Weg, etwas zu sichern, bevor es beglitzert, gefaltet oder von einem jüngeren Geschwisterkind „verbessert“ wird.
Handyfotos: schnell und völlig ausreichend
Keine Spezialausrüstung nötig. Das ist das einfachste Setup:
- Lege die Zeichnung auf den Boden nahe ans Fenster (weiches Tageslicht)
- Deckenlicht aus, damit nichts spiegelt
- Stell dich direkt darüber und halte das Handy parallel zum Papier
- Mach zwei Fotos: einmal komplett, einmal als Nahaufnahme von Details oder Schrift
Scan-Apps, die gut funktionieren
Wenn du geradere Kanten und sauberere Farben möchtest, nutz eine Scan-App. Viele Handys haben auch eine Dokumenten-Scanfunktion direkt in Notizen oder Dateien. Das Beste daran: Tempo – automatisches Zuschneiden und „Geradeziehen“ spart Zeit.
Ein simples Benennungssystem, das du wirklich durchhältst
Hier bleiben viele hängen. Mach es langweilig und konsequent:
- JJJJ-MM (oder Schuljahr)
- Name des Kindes
- Kurz-Titel
Beispiel: 2024-03_Sam_RegenbogenRoboter.jpg
Wo du digitale Kunst speicherst
- Ein Cloud-Ordner (Google Fotos, iCloud, Dropbox etc.)
- Eine externe Festplatte (praktisch als Backup)
- Ein geteiltes Familienalbum, damit Großeltern neue Werke sehen können
Ein kleiner Tipp, der sich später riesig anfühlt: Mach auch ein „Kontextfoto“ – dein Kind, wie es die Zeichnung hält, oder das Bild auf dem Küchentisch neben den Stiften. Jahre später kann dieser ganz normale Hintergrund sich wie Zuhause anfühlen.
Option 3: Fotos in ein jährliches Kunstalbum verwandeln (ein Geschenk an dein Zukunfts-Ich)
Eine der befriedigendsten Antworten auf Was tun mit alten Kinderzeichnungen ist, sie in etwas zu verwandeln, das du leicht wieder anschauen kannst. Ein Jahresalbum macht genau das – und es ist ein bildschirmfreier Weg, diese kleinen Phasen gemeinsam wieder zu erleben.
Das einfachste Format: ein Fotobuch pro Jahr
Ein Ansatz mit wenig Aufwand:
- Erstelle einen Ordner namens „Kinderkunst 2026“.
- Lege deine liebsten 30–60 Stücke aus dem Jahr hinein.
- Am Jahresende machst du daraus ein schlichtes Fotobuch.
Du brauchst keine perfekten Layouts. Eine klare Seite mit einer Zeichnung pro Doppelseite sieht wunderschön aus und gibt dem Bild Raum.
Füge Bildunterschriften hinzu, über die du später lächelst
In den Captions steckt das Herz. Halte sie kurz und echt:
- „Gemalt, während wir darauf gewartet haben, dass die Pasta kocht.“
- „Der Hund kann jetzt offenbar fliegen.“
- „Zum ersten Mal das S ganz allein geschrieben.“
Ein „Mini-Museum“-Blätterbuch für Großeltern
Wenn die Familie weit weg wohnt, ist ein kleines Kunstbuch ein süßes, nicht-überladendes Geschenk. Und es ist einfacher, als Papierstapel zu verschicken, die knicken, reißen oder verloren gehen.
Option 4: Zeichnungen an Familie verschenken (ohne dass es zur Show wird)
Kinder verschenken Kunst meist gern, und Erwachsene heben sie oft wie einen Schatz auf. Es ist eines dieser seltenen Win-Wins – und es hilft Kindern, sich gesehen zu fühlen für das, was sie sind, nicht nur für das, was sie leisten.
Einfache Wege, Kinderkunst zu verschenken
- Eine Zeichnung rahmen (Rahmen vom Flohmarkt/Secondhand sind perfekt)
- Eine „Karte“ basteln, indem du das Papier faltest und innen etwas schreibst
- Ein kleines Set machen: 3–5 Zeichnungen mit einem Band zusammenbinden
- Als Geschenkpapier verwenden für kleine Geschenke (funktioniert am besten mit größeren Bildern)
Eine schöne Routine: „Großeltern-Galerie“
Wähle jeden Monat eine Zeichnung aus, die du schickst oder persönlich übergibst. Bleib locker. Wenn du einen Monat auslässt, geht nichts kaputt – es geht um Verbindung, nicht um Perfektion.
Was du zu deinem Kind sagen kannst, wenn ihr etwas verschenkt
Versuch Worte, die Aufwand und Gefühl würdigen (nicht „Talent“):
- „Opa wird es lieben, die Geschichte hinter diesem Bild zu hören.“
- „In diesen Farben steckt richtig viel Gefühl.“
- „Möchtest du Tante erzählen, was in der Zeichnung passiert?“
Es ist ein einfacher Moment: Ein Großelternteil öffnet eine Geburtstagskarte und findet eine kleine Zeichnung darin. Die Zeichnung kann schnell gemacht sein. Die Beziehung ist das Erinnerungsstück.
Option 5: Ein besonderes Bild dauerhaft bewahren (das „Signature Artwork“ deines Kindes)
Ab und zu gibt es eine Zeichnung, die du dir einfach nicht vorstellen kannst zu verlieren. Vielleicht ist es das erste Familienporträt, auf dem wirklich alle drauf sind. Vielleicht ist es ein Bild aus einer schweren Zeit, das irgendwie hoffnungsvoll wirkt. Das ist ein großartiger Kandidat, um es in einer langlebigeren Form zu bewahren.
Ideen für dauerhafte Erinnerungsstücke (von leicht bis aufwendiger)
- Hochwertiger Druck + Rahmen: fotografieren/scannen, auf schönes Papier drucken, einrahmen.
- Leinwanddruck: toll für kräftige Filzstift- oder Malbilder.
- Ornament/Anhänger: Schrumpffolie-Basteln oder gedruckte Anhänger für Feiertage.
- Kissenbezug oder Geschirrtuch: das Motiv auf Stoff drucken lassen (viele Services bieten das an).
- Quilt-Quadrat: ein Bild pro Jahr auswählen und langsam aufbauen.
- Gravierter Schmuck oder Schlüsselanhänger: aus einer einfachen Linienzeichnung (z. B. Herz, Haus, Figur).
- Druck auf Holz oder Metall: für eine wirklich robuste „für immer“-Version.
Wie du „das eine“ ohne Druck auswählst
Frag dein Kind:
- „Wenn wir nur eins davon für immer behalten könnten – welches würdest du wählen?“
- „Welches fühlt sich am meisten nach ‚dir‘ an?“
- „Welches hat die beste Geschichte?“
Wenn deinem Kind egal ist, welches ausgewählt wird, ist das auch normal. Manchmal sind die Erwachsenen die Sentimentalen – und das ist okay.
Praktische Projekte für zuhause (mit einfachen Materialien)
Du brauchst keine ausgefeilten Bastel-Skills. In unserer Familie haben wir gelernt: Die besten Projekte sind die, die man sofort starten kann – mit dem, was sowieso in der Schublade liegt.
1) Die „Kunstfenster“-Rotation
Material: Malerkrepp oder Clips, ein Fenster oder eine freie Wand
- Wähle 5–10 Zeichnungen aus.
- Häng sie für zwei Wochen auf.
- Mach ein Foto von der „Galerie“, dann rotieren.
So wird aus Unordnung etwas Absichtliches – und die „Galerie-Fotos“ werden zu einer schönen Zeitleiste.
2) Ein selbstgemachtes Portfolio (ganz ohne Ordner)
Material: zwei Stücke Pappe, Locher, Schnur
- Staple die Zeichnungen zwischen die Pappdeckel.
- Loche entlang einer Seite.
- Mit Schnur zusammenbinden.
Lass dein Kind den Umschlag verzieren und ihn wie ein echter Künstler „unterschreiben“. (Diese Signatur ist oft mein Lieblingsteil.)
3) Erinnerungsetiketten, die das Bild nicht ruinieren
Material: Klebezettel oder kleine Papierstreifen
- Schreibe Datum, Alter und eine Ein-Satz-Geschichte auf.
- Hefte es hinten an oder bewahre es zusammen mit dem Stück auf.
Später kannst du den Zettel abnehmen – und die Zeichnung bleibt sauber.
4) Eine „Story-Aufnahme“ zu einer Lieblingszeichnung
Material: Sprachrecorder am Handy
- Bitte dein Kind, das Bild zu erklären.
- Nimm 30–60 Sekunden auf.
- Benenne die Datei passend zum Foto.
Es ist witzig: Dieser kleine Audioclip kann sich am Ende sogar noch kostbarer anfühlen als die Zeichnung selbst.
Was, wenn dein Kind sehr viel malt (also wirklich viel)?
Manche Kinder erschaffen so wie andere Kinder mit Bauklötzen bauen: ständig, fröhlich, überall. Wenn das bei euch so ist, sorgt ein simples System dafür, dass Kunst Spaß bleibt statt Stress.
Probier den „Tageskorb“
Stell einen Korb in die Nähe der Bastelecke. Neue Kunst kommt in den Korb. Einmal pro Woche (oder alle zwei Wochen) sortierst du in Behalten/Digitalisieren/Verschenken/Loslassen.
Leg ein monatliches „Kurator:innen-Datum“ fest
Such dir einen wiederkehrenden Zeitpunkt: erster Sonntag im Monat oder der Abend vor dem Recyclingtag. Kurz halten. Gemütlich machen.
Nutze eine einfache Quote
Quoten reduzieren Entscheidungsstress:
- 5 Originale pro Monat behalten, oder
- 20 Originale pro Schuljahr behalten, oder
- ein „Best-of“ pro Woche behalten
Das Ziel ist nicht, dein Kind zu bremsen. Es ist, Raum zu schützen, damit es weiter kreativ sein kann – ohne dass euer Zuhause zur Papier-Lagerhalle wird.
Und was ist mit Schulprojekten, sperrigen Bastelarbeiten und 3D-Kunst?
Flaches Papier ist einfach. Pappmaché-Vulkane sind … eine andere Kategorie.
3D-Projekte fotografieren, als würdest du eine Geschichte erzählen
- Ein Foto von vorne.
- Eine Nahaufnahme von Details.
- Ein Foto mit deinem Kind daneben (für Größe und Erinnerung).
Das „beste repräsentative“ Stück behalten
Wenn dein Kind zehn ähnliche Bastelarbeiten in einem Jahr mit nach Hause bringt, behalte eins, das diese Phase gut repräsentiert. Den Rest fotografieren und gehen lassen.
Kleine Teile bewahren, die wichtig sind
Manchmal ist das ganze Projekt riesig, aber ein Teil ist das Herz: der Handabdruck, das bemalte Gesicht, das Namensschild. Du kannst genau dieses Stück ausschneiden und aufbewahren (nachdem du das komplette Projekt fotografiert hast).
Freundlich loslassen (besonders, wenn dein Kind es bemerkt)
Manche Kinder ist es völlig egal, was mit alter Kunst passiert. Andere fühlen es sehr. So oder so kannst du respektvoll damit umgehen – ohne es schwer zu machen.
Sprich in „Platz für neue Kunst“
Zum Beispiel:
- „Wir behalten ein paar Favoriten, und von dem Rest machen wir Fotos, damit wir uns erinnern können.“
- „Deine Kunst braucht Platz. Lass uns auswählen, was wir am allerliebsten behalten.“
- „Möchtest du das als Original behalten oder reicht ein Foto?“
Biete ein Abschiedsritual an (wenn es hilft)
Das kann überraschend tröstlich sein:
- Macht zusammen ein Foto.
- Sagt: „Danke, Zeichnung.“
- Ab ins Recycling.
Kein Drama, kein Druck – nur ein Abschluss.
Sanfte Grenzen für Erwachsene, die am liebsten alles behalten würden
Wenn du in der Familie die Person bist, die jede Kritzelei aufhebt (kommt vor), können diese Kompromisse helfen:
- Einen Monat lang alles behalten, dann kuratieren.
- Alles von Alter 2–3 in einer Box sammeln, danach auf „Best-of“ umstellen.
- Die Vorderseite behalten und den Rest fotografieren (besonders bei Notizblöcken oder Heften).
- Einen „Zeitkapsel-Umschlag“ pro Jahr aufheben und beschriften.
Es gibt keinen Preis dafür, am meisten Papier zu retten. Der eigentliche Schatz ist die Beziehung rund um die Kunst: zuhören, hinsehen, diese kleinen Gespräche am Tisch. Bei uns zuhause – mit Zeichnen, das irgendwo immer passiert, und meiner Frau, die gern Bastelsachen bereitstellt – habe ich immer wieder gemerkt, dass das, was hängen bleibt, der Prozess ist, nicht das perfekte Ergebnis.
Ein einfacher Wochenendplan (wenn du Schritt für Schritt gehen willst)
Schritt 1: Sammeln (30 Minuten)
Hol Kunstwerke vom Kühlschrank, aus Rucksäcken, Schubladen und diesem mysteriösen Stapel auf der Arbeitsplatte.
Schritt 2: Sortieren (45 Minuten)
Nutze die vier Haufen: Original behalten / Digitalisieren / Verschenken / Loslassen.
Schritt 3: Digitalisieren (45–90 Minuten)
Fotografiere den Digitalisieren-Stapel bei gutem Licht. Erstelle einen Ordner pro Kind oder pro Jahr.
Schritt 4: „Das eine“ auswählen (10 Minuten)
Wähle ein Stück zum Einrahmen oder als dauerhaftes Erinnerungsstück. Leg es sofort beiseite.
Schritt 5: Den Platz zurücksetzen (15 Minuten)
Leg die Originale in Box oder Ordner. Pack den Verschenken-Stapel in einen Umschlag. Recycle den Loslassen-Stapel.
Fertig. Nicht perfekt. Fertig.
Wenn du Oma/Opa, Tante, Onkel oder ein:e enge:r Familienfreund:in bist
Vielleicht suchst du nach „Was tun mit alten Kinderzeichnungen?“, weil dir liebevoll selbst ein Stapel in die Hand gedrückt wurde. Ein paar Ideen, die Familien meistens schätzen:
- Bitte das Kind, dir die Geschichte zu erzählen, und schreib sie hinten drauf.
- Bewahre ein oder zwei Favoriten in einer kleinen Mappe auf, statt alles zu sammeln.
- Mach bei dir zuhause eine kleine „Kunstwand“ mit Clips zum Wechseln.
- Schick den Eltern ein Foto: „Ich behalte dieses – ist es okay, wenn ich es rahme?“
Eine einfache Art zu sagen: „Ich sehe dich. Deine Ideen sind wichtig.“
Häufige Sorgen (und sanfte Antworten)
„Was, wenn ich ausgerechnet die eine Zeichnung wegwerfe, die sie später haben wollen?“
Wahrscheinlich wirst du das nicht. Die Stücke, die Menschen am meisten schätzen, sind meist die mit einer Geschichte: eine Notiz, ein Datum, ein lustiges Detail, ein Familienmoment. Und Digitalisieren nimmt dieser Sorge viel Gewicht.
„Die Zeichnungen meines Kindes sind mostly Kritzeleien. Lohnt es sich, die aufzubewahren?“
Ja. Kritzeleien sind oft der Anfang von allem – Bewegung, Rhythmus, ausprobieren, Kontrolle. Bewahre ein paar auf, fotografiere den Rest und frag: „Was macht diese Kritzelei heute? Ist sie schnell? Ist sie laut? Ist sie müde?“
„Ich habe keine Zeit für Alben.“
Dann mach keine Alben. Mach Fotos und leg sie in einen Ordner. Das allein ist ein Gewinn. Du kannst später immer noch ein Buch daraus machen.
„Ich fühle mich schlecht, ihre Kunst zu recyceln.“
Sich schlecht zu fühlen heißt nicht, dass du etwas Falsches tust – meistens heißt es, dass es dir wichtig ist. Wenn es hilft: Das Ziel ist nicht, jedes Artefakt zu behalten. Das Ziel ist, dein Kind kreativ zu halten und euer Zuhause lebenswert.
Ein letzter Gedanke (so einer, der am Küchentisch hängen bleibt)
Wenn ein Kind zeichnet, will es niemanden beeindrucken. Es probiert Ideen aus, löst kleine Probleme und bringt seine Innenwelt aufs Papier. Deshalb fühlen sich ihre Zeichnungen für uns so bedeutsam an.
Wenn du also das nächste Mal einen Stapel in der Hand hältst und dich fragst, was tun mit alten Kinderzeichnungen, wähle einen kleinen Schritt: fünf Fotos machen, drei Originale behalten, eins an die Großeltern verschenken. Und dann Platz schaffen für die nächste Seite.
Und wenn dein Kind dir eine frische Zeichnung bringt – vielleicht mit Glitzer, vielleicht mit drei Sonnen und einem lila Hund – frag doch: „Was ist die Geschichte hier?“ Wenn du schon einmal gesehen hast, wie sich Frust nach einem Versuch mehr in Stolz verwandelt, dann weißt du: Die Schönheit steckt oft im Dranbleiben, nicht in den perfekten Linien.